Die EU-Entwaldungsverordnung (EUDR) stellt auch für die Papierindustrie eine bedeutende Herausforderung dar. Als ein Hauptabnehmer von Holzfasern und Zellstoff ist die Branche verpflichtet, sicherzustellen, dass ihre Produkte nicht zur Entwaldung beigetragen haben. Unternehmen, die Papier, Karton oder Zellstoff in die EU importieren oder hier produzieren und verkaufen, müssen lückenlos nachweisen, dass ihre Lieferketten den strengen Anforderungen der EUDR entsprechen. Die Branche ist zudem eng mit der Forstwirtschaft verbunden, da Holzfasern und Zellstoff zu den zentralen Rohstoffen gehören.
Die Verordnung betrifft nicht nur Rohstofflieferungen, sondern eine breite Palette papierbasierter Produkte. Dazu gehören Druckpapier, Verpackungsmaterialien, Hygienepapiere sowie Spezialpapiere. Die genaue Zuordnung erfolgt über die im Gesetz genannten Zolltarifnummern (HS-Codes). Unser Betroffenheits-Test zeigt Ihnen in wenigen Klicks, ob Ihre Produkte und Ihr Unternehmen von der EUDR betroffen sind. LINK
Hinweis: Mit Blick auf papierbasierte Produkte gab es Ende letzten Jahres einige wesentliche Änderungen. Der HS-Code „ex 49“ (u. a. Bücher, Zeitungen, Kalender und sonstige Druckerzeugnisse) wurde aus Anhang I der EUDR gestrichen. Entsprechend sind einschlägige Druckereien für diese Produktkategorien vollständig von den verbleibenden Pflichten der EUDR ausgenommen.
Papier, Pappe sowie Druckerzeugnisse des HS-Codes 48 – etwa Tapeten, Verpackungen, Etiketten oder Notizblöcke – verbleiben hingegen weiterhin im Anwendungsbereich der EUDR.
Herkunftsländer und Risikobewertung in der Papierindustrie
Die Papierindustrie bezieht ihre Rohstoffe vor allem aus Holzfasern und Zellstoff, die aus verschiedenen Ländern stammen. Während Länder wie Schweden, Finnland und Kanada häufig als Niedrigrisikogebiete gelten und für nachhaltige Forstwirtschaft bekannt sind, stammen große Mengen Zellstoff auch aus Ländern mit höheren Entwaldungsrisiken, darunter Indonesien, Brasilien oder Russland.
Das EUDR-Benchmarksystem klassifiziert diese Länder nach dem Risiko ihrer Waldwirtschaft – niedrig, standard oder hoch – und bestimmt damit die Anforderungen an die Sorgfaltspflicht der Unternehmen. Besonders kritisch sind Länder mit unzureichender Rechtsdurchsetzung oder hohen Entwaldungsraten.
Für die Papierindustrie ist es daher unerlässlich, den genauen Ursprung des Zellstoffs oder der Holzfasern zu kennen und die Lieferketten sorgfältig zu analysieren, da bereits eine einzelne Zulieferquelle das Risiko in der gesamten Kette beeinflussen kann.
Spezielle Herausforderungen für die Papierindustrie
Die Papierindustrie steht vor einigen besonderen Herausforderungen unter der EUDR. Die Rohstoffketten sind oft sehr komplex, da Zellstoff in mehreren Stufen verarbeitet wird – von der Holzfasergewinnung über die Zellstoffproduktion bis hin zur Papierherstellung und -verarbeitung. Dabei können Fasern aus unterschiedlichen Herkunftsländern vermischt werden, was die genaue Rückverfolgbarkeit erschwert.
Fazit: EUDR als Chance für die Papierindustrie
Die EU-Entwaldungsverordnung ist für die Papierindustrie ein bedeutender Einschnitt. Unternehmen, die frühzeitig in transparente Lieferketten investieren, Rohstoffherkünfte exakt dokumentieren und auf nachhaltige Beschaffung setzen, können nicht nur gesetzliche Vorgaben erfüllen, sondern auch ihre Marktposition stärken. Polygone One unterstützt die Papierbranche bei der Umsetzung der EUDR-Anforderungen – von der Geolokalisierung über die Risikoanalyse bis zur Integration ins EU-Meldesystem TRACES.
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